„Von Natur aus neige ich zum Dialog“

Extreme Rolle der Sprache

In Aperghis’ Musiktheater ist der Text das bestimmende und befruchtende Element, die Stimme der Träger des Ausdrucks. Was „fehlt“, ist die Handlung - Rätsel, Vieldeutigkeit und Freiheit sind die bestimmenden Faktoren eines Theaterabends bei Aperghis.

Aperghis ist ein leidenschaftlicher Sprachbeobachter: „Ich habe keine starke Stimme. Ich habe viele Schwierigkeiten beim Sprechen. Zum Beispiel unter vielen Leuten. Und deshalb bin ich verhältnismäßig aufmerksam im Hinblick auf die Arten zu sprechen. Die Instrumente sind mir immer als eine Umsetzung dieser Sprecharten vorgekommen. Das ist es auch, was ich so herrlich an den Quartetten von Beethoven finde. Es sind Dialoge, ein Austauschen von Empfindungen zu viert.“

Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Reduktion von Sprache; 1977/78 enstanden die „Récitations“ für Stimme und 2000 die „Machinations“ für fünf Vokalisten und Elektronik. In diesen Partituren stehen Noten nur unter anderem: Wörter, Phoneme, Silben und Laute entwickeln durch Systemisierung, Verdichtung, Dehnung einen lebendigen Organismus, dem die menschliche Stimme Gestalt verleiht.

„Nehmen wir einmal an, ein Phonem habe, wie eine lebende Spezies, seine Herkunft. Wie in der Zeit zurückgehen? Wie zu den Vorfahren unserer aktuellen phonemischen Arten zurückkehren, zu diesen archaischen kleinen Sprach-Existenzen? Man müßte zu den allereinfachsten Spezies gelangen, zu Stammellauten. Und dann, nach und nach, kompliziertere Phoneme konstruieren, anordnen. Das ist es, was ich versuche zu tun. In dieser Art von organischer Evolution, amüsiere ich mich auch, Abarten zu erfinden: Konsonanten, zum Beispiel, die beginnen, sich von Vokalen fressen zu lassen; oder, umgekehrt, Konglomerate von Konsonanten, die etwas zerstören, was Sinn gemacht hatte.“